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Interviewauszug

 

 

 

 

Mit Vater

 

 

Familienfoto

 

 

Ausstellung

 

 

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Ilan Wolff

"Ich bin immer Ausländer …"
Als Mode- und Kunstfotograf in den 1970er Jahre durch Europa

Ilan Wolff wurde 1955 in Nahariya in Israel als Sohn deutscher Juden geboren. Sein Vater war 1938 aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung aus Hamburg nach Palästina ausgewandert. Seine Mutter überlebte den Holocaust in einem Versteck in Breslau und emigrierte nach Kriegsende nach Palästina. Ilan Wolff wuchs gemeinsam mit einem jüngeren Bruder auf dem Bauernhof seines Vaters auf. Seine Mutter war Gesangslehrerin und Sängerin. Nach Schule und Militär arbeitete er für zwei Jahre in der elterlichen Landwirtschaft. Sein Vater, ein passionierter Hobbyfotograf, hatte früh sein Interesse an der Fotografie geweckt. So begann Ilan Wolff 1970 ein Studium der Fotografie in Haifa. Zu der Zeit entdeckte er auch die Lochkamera als seine Stilrichtung. Direkt im Anschluss an das Studium ging er nach Frankfurt, dann nach Mailand und Paris, wo er als Modefotograf arbeitete. Da er mehr Interesse an der Kunstfotografie hatte, zog er Anfang der 1980er Jahre nach Amsterdam, wo er erstmals Bilder verkaufen und in Ausstellungen präsentieren konnte. Dort entwickelte er seinen eigenen Stil der Camera Obscura, den er bis heute durch Kombination verschiedener Fototechniken erweitert und verfeinert (Stenogramm, Fotogramm, Caliogramm, Lunagramm …).

Von 1987-1990 lebte und arbeitete er in New York. Anfang der 1990er Jahre kehrte er nach Amsterdam zurück. 1992 erhielt er von der Stadt Paris die Einladung in die Künstlercommunity Cité Internationale des Arts, wo ihm ein Atelier und Geld zur Verfügung gestellt wurde. In der Zeit heiratete er eine französische Pianistin und bekam einen Sohn mit ihr. Nach kurzer Ehe trennte er sich von seiner Frau und zog in die Haute-Savoie, in die Nähe von Genf. Er lernte eine Krankenschwester aus Zürich kennen und bekam eine Tochter mit ihr. Bereits seit den 1990er Jahren verwirklichte er Kunstprojekte in Spanien (z.B. für die Expo Sevilla 1992). 2008 zog er in die Nähe von Almeria und heiratete eine Architektin. Heute bietet er vorwiegend Workshops an und reist durch ganz Europa. Seine Arbeit beschreibt er als seine Leidenschaft, die sein ganzes Leben prägt.

 

Historischer Kontext
Künstlermobilität

Künstlerische Produktion und Mobilität sind eng miteinander verknüpft und haben eine lange Geschichte. Bildhauer und Wandmaler wanderten im Mittelalter als zünftige Handwerksgesellen. In der frühen Neuzeit bewegten sich Künstler europaweit an den Höfen unterschiedlicher Königshäuser und unternahmen inspirierende Lustreisen - häufig nach Italien. Im Zeitalter des Kolonialismus reisten sie auf der Suche nach "Fremdem" in die überseeische Ferne. Mit der Mobilitätssteigerung im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde für zahlreiche KünstlerInnen ein Leben zwischen den europäischen Kunstmetropolen wie Rom, Paris, London, Berlin und Moskau zur Selbstverständlichkeit. In der NS-Zeit gelangten viele von ihnen auf der Flucht vor politischer oder rassistischer Verfolgung ins amerikanische Exil. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute prägt Mobilität das Arbeitsleben vieler Kunstschaffender. Der Kunstmarkt ist internationalisiert und die Netzwerke im Kunstbereich vielfach weltumspannend. Unterstützt wird diese Globalität durch internationale Ausstellungsprojekte und Artists-in-Residence-Programme [1].

Wie anhand der Erzählung von Ilan Wolff deutlich gemacht werden kann, bedeutet das Überschreiten von Grenzen nationaler oder kultureller Räume für KünstlerInnen eine Erweiterung des Publikumskreises, vergrößert den Absatzmarkt für ihre Kunstwerke, steigert ihre Beschäftigungsmöglichkeiten und bereichert durch das Erleben von "Neuem" ihr künstlerisches Schaffen. Wie bei allen anderen Migrationsformen spielen auch bei der Künstlermobilität die biografischen Hintergründe der MigrantInnen eine zentrale Rolle. Ilan Wolff, der als Sohn deutscher Emigranten in Israel aufwuchs, lernte früh unterschiedliche Kulturen kennen und entdeckte darin das Potential für sein künstlerisches Schaffen.

 

[1] ↑ Uwe Fleckner/Maike Steinkamp/Hendrik Ziegler: In die Welt geschickt. Künstlerische Mobilität vom Mittelalter bis in die Gegenwart, in: Dies (Hg.): Der Künstler in der Fremde. Migration - Reise - Exil. Berlin u.a. 2015, S. 1-26. Joachim Rees: Künstler auf Reisen. Von Albrecht Dürer bis Emil Nolde. Darmstadt 2010, S. 9-14.

 

 

Weltkarte

Werkstat der Erinnerung
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Quellennachweis
Archiv: Werkstatt der Erinnerung an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Signatur: FZH/WdE 1954
Interviewerin: Andrea Althaus
Interviewtermin: 20.06.2014
Interviewlänge: 2 Std. 18 Min.
Forschungsprojekt: Interview im Rahmen des Programms der Freien und Hansestadt Hamburg für die Gruppe verfolgter ehemaliger Bürgerinnen und Bürger Hamburgs und ihrer Kinder.
Sammlungsschwerpunkt: Verfolgung im Nationalsozialismus / Zweite Generation


 

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